Warum wird bei s.g. Lola Montez Haus in München manchmal das Baujahr 1820 gefunden?

Ein normaler Mensch, der sich das Programm zum Tag des offenen Denkmals anschaut, findet beim s.g. Lola-Montez-Haus bis zum Jahr 2012 (für 2013 noch nicht veröffentlicht) folgenden Eintrag:

Nebenhaus des Gutshofs Menterschwaige, auch königliches Liebesnest genannt. Wohl um 1820 erbaut. Ursprünglich Schmiede und Wohnung des Schmieds. Im Schweizer Landhausstil errichtetes Salettl mit Holzaufbau, OG mit Schlafkojen, dahinter befinden sich die Stallungen der Wittelsbacher Königsfamilie. Lola Montez, spanische Tänzerin, für die Ludwig I. seine Krone opferte, fand auf dem Gutsgelände für eine unbestimmte Zeit Unterschlupf bevor sie München verließ.“

Lola Montez, Irish-born mistress to King Ludwi...

Lola Montez, Irish-born mistress to King Ludwig I of Bavaria. Her real name was Eliza Gilbert (Photo credit: Wikipedia)

Anfrage bei der zuständigen „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ ergibt, daß diese Informationen vom Betreiber des Denkmals stammen und nicht überprüft wurden.

Warum aber sollte Herr Frank Maria Wiedenmann, der im Falle des s.g. Lola-Montez-Hauses in heiliger Dreifaltigkeit sowohl den Eigentümer, als auch den Betreiber sowie den Vermieter gibt, ein falsches Baujahr angeben?

Gute Frage, in der Tat.

Ein normaler Mensch denkt jetzt: der Mann weiß es nicht besser.

Falsch gedacht, er weiß es. Dazu muß man nur ein bisschen in der Zeit zurückgehen, nämlich bis zum Jahr 1997. Da hatte Herr Frank Maria Wiedenmann das Häuschen gerade gekauft und war fleißig am Renovieren. Da ließ er unter den vielen Zeitungsartikeln aus jener Zeit in der tz (deutsche Boulevard-Tageszeitung ) unter dem Titel „Der erste Beweis: Hier war das Liebesnest des Königs seinen Architekten sagen: „Das Haus stand nachweislich um 1848 schon.“ und auf die Frage „Wo stand denn das Schlafzimmer der Dame?“ zu antworten „Mit Sicherheit im ersten Stock.“ Man kann da lesen, daß andere Teile der Bausubstanz das Denkmalschutzamt um 1800 datiere. Weiterhin wird in diesem Artikel ausgeführt, daß diese sensationellen Ergebnisse beweisen würden, daß dieses Haus keineswegs erst 20 Jahre nach der Abdankung von König Ludwig I. (also 1868) gebaut wurde, wie es in den Archiven steht.

1997 TZ_Balken

Dazu wird noch ein Foto geboten mit der Beschreibung: „Wo jetzt ein Gartentisch steht, war das Bett der Tänzerin.“

Das sind so unglaubliche Befunde, daß man es sich auf der Zunge zergehen lassen muß!

Es fehlen jegliche Beweise warum, wer auch immer, welche Teile auch immer, auf das Jahr1800 oder ähnlich datiert. Hatte dieser erwähnte Balken eine eingravierte Jahreszahl? Wohl nicht, denn das hätte man dem interessierten Leser nicht vorenthalten. Hatte man ihn ein wenig zersägt und dendrochronologisch bestimmt? Oder womöglich die C14-Methode angewandt? Wir wissen es nicht, denn man hüllt sich vornehm in Schweigen.

Selbst wenn irgendein Bauteil aus der Zeit um 1800 stammen sollte, so haben unser Bauherr und sein Architekt vermutlich noch nie davon gehört, daß alle Menschen – immer und überall – brauchbare Bauteile wiederverwendet haben.

Zurück zum Thema: Dieser Artikel beweist vor allem, daß unser Bauherr und sein Architekt die deutlich spätere Baujahrdatierung, nämlich frühestens ab 1858 sehr wohl kannten.

In diesem Zusammenhang ist das folgende Gemälde von Breitmann vom großen Interesse. Es taucht in einem Katalog auf und wurde bei einem Antiquariat vor kurzem verkauft.

1837 Breitmann Menterschwaige Nebengeb

Gouache von Breitmann, signiert, bez. und datiert 1837, 16,3 x 20,8 cm „Das sog. Lola-Montez-Haus bei der Menterschwaige. Das Nebenhaus mit Außentreppe inmitten von hohen Bäumen.“ Seite 14, Nr. 16 http://www.antiquare.de/fileadmin/user_upload/Kataloge/Grahamer_Katalog_142_A4quer_internet.pdf

Deutsch: Das Lola-Montez-Haus, auch „königlich...

Deutsch: Das Lola-Montez-Haus, auch „königliches Liebesnest“, ein kleines Gebäude im Schweizer Landhausstil am Isarhochufer im Münchner Stadtteil Harlaching (Photo credit: Wikipedia)

Na nu, werden Sie sagen: Das sieht aber ganz anders aus, als das Haus, das zur Zeit als das Lola Montez Haus firmiert! Und wie konnte es der Maler Breitmann im Jahr 1837 malen? Vielleicht, weil es damals da stand? Vielleicht, weil diese ganze Geschichte mit alten Balken und noch älterer Bausubstanz nur ein weiteres Märchen ist, an dem die fesche Lola Montez – die es bekanntlich mit der Wahrheit nicht so genau nahm – ihre Freude gehabt hätte.

Ach, wir haben fast etwas vergessen, nämlich den zweiten Teil der Behauptung, mit der wir angefangen haben: „Lola Montez, spanische Tänzerin, für die Ludwig I. seine Krone opferte, fand auf dem Gutsgelände für eine unbestimmte Zeit Unterschlupf bevor sie München verließ.“

Abgesehen davon, daß die attraktive Lola Montez keine Spanierin, sondern Irin war, war sie natürlich nachweislich zur Zeit ihrer Flucht aus München, die genau zwei Tage dauerte, niemals in der Menterschwaige gewesen. Einzelheiten dazu lesen Sie bitte in dem Posting: Warum heißt ein Haus im Schweizerstil in München „Lola Montez Haus“?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: