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Und wieder grüßt das angebliche Liebesnest mit erfundenen Meldungen aus dem s.g. Lola Montez Haus zum Tag des offenen Denkmals 2013

 

Unverändert findet sich im Programm zum Tag des offenen Denkmals am 8. September 2013 der gleiche falsche Text, wie bereits früher beschrieben und der nachweislich vom Eigentümer und Vermieter des Schweizer Hauses, eines kleinen Nebengebäudes des Gutshofs Menterschwaige in München stammt.

Es gehört schon eine Menge Unverfrorenheit dazu zu behaupten: „Wohl um 1820 erbaut.“ und „Lola Montez, spanische Tänzerin, für die Ludwig I. seine Krone opferte, fand auf dem Gutsgelände für eine unbestimmte Zeit Unterschlupf bevor sie München verließ.“

Das Märchen von s.g. Königlichen Liebesnest im Schweizer Haus wird unaufhörlich und gezielt wiederholt. Um dem einen Anstrich der Echtheit zu verleihen, dachte sich der Eigentümer und Vermieter des Schweizer Hauses Herr Frank Maria Wiedenmann, daß eine Denkmalschutzplakette nicht schlecht wäre. Dazu schrieb er am 23. Februar 2011 eine kurze Email an Herrn Thomas Schwindel, der damals der Vorsitzende des zuständigen Bezirksausschusses war. Herr Schwindel – Nomen est Omen – war kein unbeschriebenes Blatt, wie etliche Zeitungsartikel belegen und musste schließlich im März 2012 gehen.

Herr Wiedenmann bat darin Herrn Schwindel um eine Empfehlung und bedankte sich sich im Voraus mit den Worten „Ansonsten freuen wir uns wie immer auf einen Besuch bei Lola und sind in diesem Sinne mit größtem Vergnügen…“

Man lese dies gründlich, denn es zeigt, daß Herr Frank Maria Wiedenmann (angeblich Professor) und Herr Thomas Schwindel offenkundig gute Kumpel waren (sind?) und Herr Wiedenmann des öfteren Herrn Schwindel im s.g. Lola Montez Haus willkommen hieß.

Nun, Herr Thomas Schwindel tat wie geheißen und schickte die gewünschte Empfehlung an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Am 23.05.2011 schrieb das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege an Herrn Schwindel :

  1. Eine „Denkmalschutzplakette“ ist in der bayerischen Denkmalpflege nicht bekannt.

  2. Das sog. Lola Montez Haus zählt sicher nicht zu den Kulturgütern.

  3. Das Nebengebäude, eine sog. Almhütte im Schweizerhausstil, wird als Bestandteil des Baudenkmals Menterschwaige 4 in der Denkmalliste gesondert erwähnt, steht also „unter Denkmalschutz“.

  4. sog. Almhütte, Nebengebäude im Schweizerhausstil, nach Mitte 19. Jh.

Somit wissen wir nun mit Sicherheit, daß das sog. Lola Montez Haus erst nach Mitte des 19-ten Jahrhunderts gebaut wurde und die Angabe des Baujahr „so um 1820“ eine reine Erfindung darstellt.

Genauso wie das sog. Lola Montez Haus nicht als königliches Liebesnest dienen konnte, denn Lola Montez verließ München im Februar 1848 für immer und dies ist eindeutig die erste Hälfte des 19-ten Jahrhunderts.

Wir wollen hoffen, daß dieser Fall eine Ausnahme ist, und daß die sonstigen Informationen zu anderen, echten Denkmälern zum Tag des offenen Denkmals stimmen, denn überprüft werden sie offensichtlich nur unzureichend.

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Warum heißt ein Haus im Schweizerstil in München “Lola Montez Haus”?

Lola Montez, Irish-born mistress to King Ludwi...

Lola Montez, Irish-born mistress to King Ludwig I of Bavaria. Her real name was Eliza Gilbert (Photo credit: Wikipedia)

Nein, nicht wie Sie denken. Nein, nicht wie überall herum posaunt wird. Das wäre viel zu einfach.

Die berüchtigte Tänzerin und Hochstaplerin Lola Montez war niemals in diesem Haus.

Als sie König Ludwig I. um den kleinen Finger wickelte, schenkte er ihr unter anderem auch ein Haus in der Barerstrasse Nr. 7 in München, wo er sie sehr häufig besuchte. Auch als sie aus München fliehen musste, hat sie nicht im Schweizerhaus in der Menterschwaige übernachtet, sondern in einem Gasthof in Großhesselohe, wie ein von ihr geschriebener Brief vom 11.02.1848 belegt. Die zweite Nacht verbrachte sie auf Schloss Blutenburg und floh danach in die Schweiz.

Selbst wenn sie gewollt hätte, sie hätte niemals im Schweizerhaus übernachten können, noch jemals ihren Ludwig dort treffen können. Warum? Ganz einfach, es war noch gar nicht gebaut. Laut dem baugeschichtlichen Atlas der Stadt München, wurde das Schweizerhaus erst nach 1858 verzeichnet, Lola Montez musste aber schon zehn Jahre vorher, nämlich 1848 München für immer verlassen.

Das Haus heißt so, legt ein Kommentar zu einem interessanten Gerichtsurteil vom 01.04.2010 über ein allzu hohes „Korkgeld“ nahe, weil die Namensgeberin eben eine berühmte Schwindlerin war.

Warum aber – fragt sich der interessierte Leser – sollte jemand all die Mühe mit einer solchen Legendenbildung auf sich nehmen?

Richtig, Sie ahnen es schon. Die Antwort kann man in einem weiteren Artikel in der Süddeutschen Zeitung nachlesen: „Auch der heutige Eigentümer Frank Wiedenmann, der das Anwesen 1998/99 aufwendig sanieren und im Stil um 1850 samt liebevoller Details einrichten ließ, nährt diese Geschichte. Kritiker unterstellen dem Geschäftsmann, dass es ihm dabei vor allem um die lukrative Vermietung für Privatveranstaltungen gehe.“

Deutsch: Das Lola-Montez-Haus, auch „königlich...

Deutsch: Das Lola-Montez-Haus, auch „königliches Liebesnest“, ein kleines Gebäude im Schweizer Landhausstil am Isarhochufer im Münchner Stadtteil Harlaching (Photo credit: Wikipedia)

Quellen:

Buch von Dorle Gribl: Harlaching und die Menterschwaige – Vom Edelsitz zur Gartenstadt. Buchendorfer, München 2004, ISBN 3-937090-05-3, Seiten 178–181

Artikel „Sorge dich nicht um mich“ in der Süddeutschen Zeitung vom 04.11.2011 http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1227511

Artikel „Lebenslandschaft Münchner Süden“ in der Süddeutschen Zeitung vom 03.01.2013 http://www.gartenstadt-harlaching.de/inhalte/presse/sz_03-01-13_r9.pdf

Schreiben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege an die Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung vom 01.07.1988

AG München, Urteil vom 1. April 2010, Az. 453 C 20895/09 http://openjur.de/u/483695.html

Der besondere Fall „Hochzeit im „königlichen Liebesnest“ http://www.iww.de/mk/archiv/der-besondere-fall-hochzeit-im-koeniglichen-liebesnest-f17063

Artikel „Legende um das Lola-Montez-Haus“ in der Süddeutschen Zeitung vom 06.09.2012

2012-09-06 SZ_LMH Legende