Ein denkwürdiger Denkmaltag 2014 im angeblichen Lola Montez Haus

Letzten Sonntag war wieder einmal der Tag des offenen Denkmals. Trotz, oder vielleicht wegen des nicht allzu schönen Wetters, waren die Denkmäler übervoll.
Ich schnappte mir also meine Frau und wir gingen an der Hochleite in München spazieren. Bereits in einiger Entfernung zum angeblichen Lola Montez Haus begrüßten uns kleine Messingschilder auf einigen Parkbänken. So lasen wir „Hier traf ich meinen Ludwig“ und „100 Schritte zum königlichen Liebesnest“ dazu noch die entsprechende Homepage.
Im Katalog der Denkmäler zum Jahrestag 2014 findet sich exakt die gleiche falsche Beschreibung wie früher mit dem angeblichen Baujahr von um 1820.
Wir schauten uns also das kleine Haus an. Der Hausherr stand herum und wich konkreten Fragen nach dem Baujahr des Hauses sowie der von ihm seit über 15 Jahren behaupteten Anwesenheit der Lola Montez in diesem Haus geschickt aus.
Beim Weggehen drückte man uns einen aufwändig gestalteten, großen Prospekt für die Feiern in diesem Haus in die Hand. Darin wieder die bekannten Lügen: Unter der großen Überschrift „Das königliche Liebesnest“ steht „Hier trafen sich Ludwig I. Und Lola Montez Inkognito.“
Was da natürlich nicht steht, ist die Tatsache, dass an der Stelle dieses Hauses im Jahr 1837 nachweislich ein ganz anderes Haus stand und das derzeitige Haus frühestens im Jahr 1858 – also gut 10 Jahre nachdem Lola Montez aus München fliehen musste – gebaut wurde.
Besonders pikant in diesem Zusammenhang ist, dass der Eigentümer im November 2013 mehrere gleichlautende Stellungnahmen veröffentlichen ließ, in denen er eindeutig zugibt, dass er das tatsächliche Baujahr des Hauses kennt, obwohl er in mehreren Fernsehbeiträgen überzeugend? behauptete, die Lola Montez wäre in seinem Haus gewesen.
Diese Stellungnahmen weisen allerdings einige Eigenheiten auf. Die erste Stellungnahme wurde im Münchner Merkur am 5.11.2013 von einer Frau Brigitta Wenninger veröffentlicht, weitere dann in diversen Portalen Ende November 2013 wie z.B. http://www.premiumpresse.de/termine-events/das-haus-der-geschichtchen-PR2397348.html , oder aber auch am 3.4.2014 http://www.news4press.com/Haus-der-Geschichtchen_820243.html wo dann jeweils der Eigentümer Wiedenmann des Lola Montez Hauses als für den Text verantwortlicher zeichnet.
Ist das nicht irgendwie merkwürdig? Zwei Autoren für den gleichen Text? Wer hat es wirklich geschrieben?
Warum behauptet er in seinem Prospekt und auf den Parkbänken unbeirrt weiterhin das Lügenmärchen vom „Königlichen Liebesnest“? Warum hat er seine Angaben an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz nicht korrigiert?
Wir finden die Antwort im gleichen Artikel: „Die romantischen Geschichten ziehen das Publikum an.“
Aber ganz ohne neue Erfindungen kommen wir dann doch nicht davon. Jetzt ist es ein Pulverhorn, das König Ludwig gehört haben soll und das angeblich in diesem Haus gefunden wurde. Möglicherweise ist das Pulverhorn tatsächlich echt, wir bezweifeln jedoch sehr, dass es in diesem Haus gefunden wurde. Wenn dies nämlich den Tatsachen entsprechen würde, so hätte der Eigentümer garantiert alle möglichen Fachleute zusammengerufen um den Fund auch korrekt zu dokumentieren. Außerdem hätte er es zweifelsohne bereits mit dem Fund des angeblich alten Balkens im TZ Artikel von 1997 publiziert. Jedoch hat er über diesen “Balken aus dem Jahr 1800” kein Wort mehr verloren, während die Geschichte vom Pulverhorn erst gegen 2009-2010 auftaucht.
An dieser Stelle schreiben wir nun eine kleine Belohnung von 100 Euro für Denjenigen aus, der uns nachweisen kann, wo und wann dieses Pulverhorn verkauft, verschenkt oder verloren wurde, oder aber wo es sich nachweislich in den Jahren 1996 bis 2009 befand.
Die Jahre 1846 bis 1996 sind natürlich auch vom Interesse, denn wenn es sich z.B. in einer Privatsammlung befand, kann es nicht gleichzeitig über 150 Jahre im angeblichen Lola Montez Haus geschlummert haben.
Ist es nicht schön, das die notorische Hochstaplerin Lola Montez noch posthum ein weiteres Haus in Bayern sozusagen „geschenkt“ bekam?

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